Demonstration gegen die GEMA-Tarifreform in Nürnberg

Veröffentlicht von Daniel Gruber am

Heute hielt ich in Nürnberg eine Rede auf der Demo gegen die GEMA-Tarifreform. Zur Demonstration rief ein breites Bündnis auf, mit dabei waren:

  • Piratenpartei Mittelfranken
  • Junge Piraten Mittelfranken
  • FDP Nürnberg
  • JuLis Nürnberg
  • Bündnis 90 die Grünen Nürnberg
  • DeHoGa Nürnberg

Kleiner Funfact: Von der Jungen Union Mittelfranken erhielt ich heute um 17:20, also 10 Minuten vor der Demo, eine Mail mit folgendem Absatz

Ich schicke deine Anfrage an den Bezirksvorsitzenden der JU Nünberg-Fürth-Schwabach weiter,er meldet sich bei dir dann.

Es ging hierbei um eine Bündnisanfrage – Na klasse 😉

 

Hier nun meine Rede

„Dieses Video ist in Deutschland leider nicht verfügbar, da  es möglicherweise Musik enthält, für die die erforderlichen Musikrechte  von der GEMA nicht eingeräumt wurden. Das tut uns leid.“  

Wer kennt diesen Satz nicht?

Eigentlich wäre das ja schon Grund genug für eine Demo. Aber wir sind heute hier um gegen die GEMA-Tarifreform zu protestieren.

Ohne die Betroffenen einzubeziehen, hat die GEMA eine neue Tarifstruktur vorgelegt. Ab 2013 sollen 2 neue Tarife die bisherigen 11 ersetzen. Ziel war es die Tarife übersichtlicher zu machen. Laut GEMA geht es nicht darum künftig mehr Einnahmen zu generieren. Klingt ja eigentlich gut. Aber das Urteil kann nur lauten: Ziel verfehlt!

Es fallen nicht nur Vergünstigungen wie Jahrespauschalen weg sondern es gibt stattdessen Zuschläge von 50% wenn die Veranstaltung länger als 8 Stunden dauert. Außerdem werden noch mal 30% aufgeschlagen, wenn die Musik nicht von CDs sondern mit dem Notebook oder PC abgespielt wird.

Von Seiten der GEMA heißt es dann, es werden maximal 10% der Einnahmen aus Eintrittsgeldern verlangt. Gehen wir dieser Aussage doch mal auf den Grund. In der Tat ist es so, dass die Gebühren MINIMAL 10% betragen. Das lässt sich sehr einfach nachrechnen. Außerdem ist  ja auch noch interessant auf welcher Grundlage die Eintrittsgelder berechnet werden. Da geht es nämlich nicht um die tatsächlich eingenommen Gelder. Es wird angenommen, dass pro Quadratmeter ein Besucher reinpasst. Und hier geht es nicht nur um die Tanzflächen, sondern um die gesamte Fläche, also inkl. Bar, DJ Pult, Bühne, usw. Dort findet man aber keine Gäste sondern Personal, das bezahlt werden muss.  Außerdem wird zur Berechnung der teuerste Eintrittspreis verwendet, dabei ist es doch oft so, dass man im Vorverkauf oder durch Aktionen vergünstigt in Konzerte und Clubs kommt.

Darum: Aussetzung der Tarife und neue Verhandlungen

Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass eine Verwertungsgesellschaft, die eigentlich im Interesse der Musiker handeln sollte und deren Dienstleister ist, Tarife beschließt, die keinesfalls im Interesse von Kunstschaffenden sein können.

Ich kann euch das erklären. Die GEMA ist eines mit Sicherheit: Intransparent. Und eines ist sie ganz sicher nicht: demokratisch. Die GEMA hat zwar über 60.000 Mitglieder, doch davon haben nicht einmal 5% das Recht darüber zu bestimmen, wie eingenommene Gelder verteilt werden und wie die Tarife ausgestaltet sind.

Und nun ratet mal an wen über die Hälfte der eingenommenen Gelder gehen? Natürlich an diese 5%, und die Zahl steigt sogar noch fast jedes Jahr. Was wir brauchen ist eine Verwertungsgesellschaft, die die Interessen aller Musiker vertritt und nicht nur die der großen Fische. Die GEMA weigert sich konsequent irgendwelche Zahlen offen zu legen und das vermutlich aus gutem Grund, da man sonst sehen könnte, wie unfair hier mit den Einnahmen umgegangen wird.

Deswegen fordern wir eine gerechtere Gebührenverteilung und Mitspracherecht aller Urheber!

Doch das ist noch lange nicht Alles! Die GEMA ist nicht nur intransparent und undemokratisch, sie ist auch sehr von sich überzeugt. Und zwar so sehr, dass sie davon ausgeht, dass sie jeden Musiker vertritt.

Das führt zu einer Umkehr der Beweispflicht. So müssen wir hier und heute, da wir auf der Demo ja auch Musik spielen, der GEMA beweisen, dass wir nur GEMA-freie Musik spielen. Tun wir das nicht, müssen wir zahlen. Ach… und ob wir nun ein GEMA-pflichtiges Lied spielen oder 100 ist auch egal. Ab dem ersten Lied zahlt man den vollen Betrag.

Abgesehen davon, dass diese GEMA-Vermutung ziemlich vermessen ist, gibt es da noch ein Problem. Die GEMA lässt sich nämlich nur davon überzeugen, dass man ausschließlich freie Werke gespielt hat, wenn man eine Liste aller gespielten Lieder mit den bürgerlichen Namen der Interpreten abliefert. Das ist vor allem ein enormer Aufwand und zum anderen oft gar nicht möglich, da es Künstler gibt, die ausschließlich mit ihrem Künstlernamen in Erscheinung treten. Fakt ist also, dass die GEMA auch Gelder durch freie Musik einnimmt. Durch Interpreten die sich ganz bewusst dagegen entschieden haben der Verwertungsgesellschaft beizutreten.

Deswegen: Weg mit der GEMA-Vermutung! 

Weg mit der neuen Tarifregelung! Und her mit einer Demokratisch organisierten Verwertungsgesellschaft! 


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